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Internationale Paneuropa-Union

Zur Stärkung Europas in Andechs

In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatskanzlei veranstaltete die Paneuropa-Union Deutschland am 17. und 18. Oktober 2026 den 66. Andechser Europatag unter dem Titel „Retten die Kleinen Europa?“.

Im Namen des Klosters begrüßte Pater Valentin Ziegler OSB die 120 Gäste aus 12 Nationen auf Bayerns Heiligen Berg. Er verwies in seinem geistlichen Grußwort auf den Evangelisten Lukas, der am Sonntag gefeiert werde: Dieser sei als Realist Jesus nachgegangen und habe dabei auch Leid und Armut thematisiert.

Nach Ansicht des Präsidenten der Paneuropa-Union Deutschland Bernd Posselt zerstören die „materialistischen Ideologien“ von Nationalismus, Marxismus und Kapitalismus die europäische Einigung und den demokratischen Rechtsstaat. Daher forderte er als Gegenkraft eine Wiederbelebung der christlichen Soziallehre, wie sie mit den 1883 erarbeiteten Thesen von Haid in Böhmen ihren Weg nach Rom in die erste päpstliche Sozialenzyklika „Rerum novarum“ von 1891 gefunden hat.

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Europa werde zur Zeit gleichermaßen von Zersplitterung und von Zentralismus bedroht. Dieser Zentralismus sei aber kein europäischer, sondern der im 19. und 20. Jahrhundert vorherrschende nationalstaatliche, der gleichzeitig Europa schwäche und die regionale und kommunale Ebene unterdrücke.

Gemeinsam mit der Freiburger Schule der Nationalökonomie, die von der Dynamik des Wettbewerbs ausgeht, und der evangelischen Sozialethik bilde die Katholische Soziallehre das geistige Rückgrat der derzeitigen EU-Verträge wie auch der Erneuerung des europäischen Wirtschafts- und Lebensmodells. Dieses unterscheide sich grundlegend sowohl vom Kollektivismus Chinas als auch vom Extrem-Individualismus der Vereinigten Staaten von Amerika, die zudem von den Weltherrschaftsphantasien der High-Tech-Milliardäre geprägt seien. Aus europäischer Sicht stehe der Gemeinwohl-Gedanke im Mittelpunkt, der bedeute, daß man sich für ein gedeihliches Zusammenleben auch dann einsetzen müsse, wenn man selbst davon keine Vorteile, sondern vielleicht sogar Nachteile habe: „Ohne Einsatz und Opferbereitschaft kann eine Gemeinschaft wie die EU in einer immer gefährlicheren Welt nicht überleben.“

Subsidiarität und Solidarität müßten miteinander ausbalanciert werden, denn ersteres bedeute Eigenverantwortung und letzteres tatkräftige Hilfe für Menschen in Not. Der Personalismus als zentraler Begriff der Soziallehre betone einerseits die Menschenwürde und damit die Eigenständigkeit jedes Einzelnen, sehe ihn aber zugleich als soziales Wesen, das sich nur in der Gemeinschaft entfalten kann und für diese Verantwortung trägt.

Bei einem Podium „Familie, Bauern, Mittelstand – Bausteine des freien Europa“ spielten einander die Münchner Stadträtin Alexandra Gaßmann, Vorsitzende von KINDERreich in Bayern e.V., Marlene Mortler, Bäuerin und ehemalige Europaabgeordnete, sowie Stefan Richter, Landesinnungsmeister des sächsischen Bäckerhandwerks, die Bälle zu.

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Das abschließende Podium zum Thema Volksgruppen und Regionen moderierte der internationale Paneuropa-Vizepräsident Dirk Voß, der eine „Dysfunktionalität des Nationalstaates“ in Europa diagnostizierte: Dieser sei zu klein, um in der Welt eine Rolle spielen und den Bürger zu schützen, aber zu groß und abstrakt, um Heimat zu sein.

Der Luxemburger Erzbischof Kardinal Jean-Claude Hollerich würdigte den Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich als kräftigen Impuls für Europa und für die christliche Erneuerung auch in sehr laizistischen westeuropäischen Ländern. Die Bischöfe der an Metz – wo einer der wichtigsten christlichen Gründerväter der Europäischen Union, Robert Schuman, einen Großteil seines Lebens verbracht habe –angrenzenden Diözesen hätten die Chance gehabt, jeweils zehn Jugendliche für diese Begegnung zu benennen und somit ihr Engagement für Europa zu unterstützen.

Erich Schneeberger, der Vorsitzende der bayerischen Sinti und Roma, hob hervor, daß die Sinti seit 700 Jahren im deutschsprachigen Raum lebten und sehr stark von dessen Kultur beeinflußt seien: „Wir sind seit sehr langem deutsche Staatsbürger und halten uns an deutschem Recht und Gepflogenheiten.“

Nadja Polzer, die stellvertretende Obfrau der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen, informierte darüber, daß Österreich heuer am 7. Juli die Überarbeitung der Volksgruppengesetze beschlossen habe.

Der Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, Richard Neugebauer, legte dar, daß von den 3,2 Millionen Sudetendeutschen nach der Vertreibung im Gefolge des Zweiten Weltkrieges 300 000 geblieben seien, weil sie entweder als Fachleute gebraucht oder in den Besatzungszonen der Siegermächte nicht mehr aufgenommen wurden.

Auch Dawid Statnik der Vorsitzende des Bundes der Lausitzer Sorben (Domowina) bekannte sich zur Wichtigkeit der Europäischen Institutionen für die Volksgruppen und Minderheiten, die älter seien als die Nationalstaaten.

Mit einem Abendprogramm bayerischer Volksmusik auf zwei Zithern, Gitarre und Kontrabaß verkörperte die „Weberhof-Musi“, die in Tracht mit Hut auftrat, Europas Wurzeln in der Heimat.

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Den Gottesdienst in der Wallfahrtskirche am Sonntag hielt der Erzbischof von Luxemburg, Kardinal Jean-Claude Hollerich, der betonte, daß der Mensch Gott nicht nur Verehrung und eine lebendige Beziehung schulde, sondern auch ganz klar die Liebe zum Nächsten.

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