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Internationale Paneuropa-Union

Zusammenarbeit im Donauraum – Paneuropa-Tage in Ingolstadt

In der Donaustadt Ingolstadt und der unmittelbar benachbarten historischen Keltensiedlung Manching fanden vom 12. bis 14. Juni 2026 die von der Paneuropa-Union Deutschland und der Paneuropa-Jugend Deutschland veranstalteten 52. Paneuropa-Tage statt.

Unter dem Rahmenthema „PANEUROPA – Zusammenschluss oder Zusammenbruch!“ widmete sich die Konferenz unter reger internationaler Beteiligung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Donauländer von Deutschland bis zum Schwarzen Meer sowie den großen politischen Herausforderungen, vor denen Europa heute steht.

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Der Festakt im Großen Saal des Ingolstädter Hotel Maritim mit Teilnehmern aus 14 Nationen wurde vom Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union, Johannes Kijas, moderiert und mit schwungvollen Melodien aus dem ganzen Donauraum von der Siebenbürger-Banater Blaskapelle Ingolstadt musikalisch umrahmt.

Kroatiens Außenminister, der Paneuropäer Gordan Grlić Radman, erklärte, daß die EU-Donauraumstrategie ganz wesentlich zum Aufbau einer gemeinsamen europäischen Identität beitrage. Dies gelte nicht nur für die EU-Mitgliedstaaten unter den Anrainern dieses längsten europäischen Flusses, sondern auch für die Beitrittskandidaten. Die EU-Erweiterung um die Länder Südosteuropas erhöhe die Stabilität auf dem ganzen Kontinent. Kroatien unterstütze die Bewerber nachdrücklich, wenn es um Rechtstaatlichkeit und um die Ausrichtung an der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU gehe. Grlić Radman lobte die Paneuropa-Union, weil diese älteste europäische Einigungsbewegung erkenne, daß Europa nicht nur durch Institutionen, sondern auch durch Regionen und Menschen Gestalt gewinne.

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Für das Donau-Land Bayern sprach dessen stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf. Sie würdigte den böhmischen Grafen Richard Coudenhove-Kalergi, der vor mehr als 100 Jahren die Paneuropa-Union gegründet hat: „Er glaubte an Einheit statt Spaltung. Seine Botschaft war schlicht und stark: Europa wächst zusammen – oder Europa scheitert.“ Mehr denn je brauche die EU auch heute wieder Orientierung - „als Wertegemeinschaft, als Freiheitsgemeinschaft und als Schicksalsgemeinschaft.“

Unter minutenlangem Applaus der Paneuropäer unterstrich Patrik Schwarcz-Kiefer, ungarisches Mitglied im Ausschuß der Regionen in Brüssel, den Neuaufbruch seines Landes nach den jüngsten Parlamentswahlen: „Ungarn ist zurück in Europa! Durch den großen Wahlsieg von Péter Magyar haben die Ungarn bestätigt, daß das Land dem von seinem ersten König, dem Heiligen Stephan, und seiner bayerischen Gemahlin Gisela gewählten europäischen Weg folgen soll.“

Den Landeshauptmann von Oberösterreich, Thomas Stelzer, vertrat der dortige Landtagsabgeordnete Florian Grünberger. Er schilderte sein Land als „starken Wirtschaftsstandort und Knotenpunkt für grenzüberschreitende Kooperationen im Donauraum“, der vor allem Brücken nach Bayern und Böhmen schlage. Die EU-Donauraum-Strategie definiere Entwicklungsziele in 11 Themenfeldern, auf denen mit österreichischer Beteiligung durch Interreg-Programme mehr als 250 Projekte umgesetzt würden.

Die oberbayerische Europaabgeordnete und Vorsitzende der CSU-Europagruppe Prof. Angelika Niebler zeigte sich wie Patrik Schwarcz-Kiefer glücklich über den Wahlausgang in Ungarn. Dies beende gefährliche Blockaden, denen die ganze EU in den letzten Jahren der Regierung von Viktor Orban ausgesetzt gewesen sei. Als Präsidentin des Wirtschaftsbeirates Bayern habe sie einen Kongreß in Passau durchgeführt, der der Erschließung der Donau-Moldau-Region für den Mittelstand dienen sollte.

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Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, zitierte den spanischen Philosophen und Paneuropäer Salvador de Madariaga, der Rhein und Donau als die beiden Schicksalsflüsse Europas bezeichnet habe. An deren Ufer habe sich das erste Europa, nämlich das keltische, gruppiert. Zwischen beiden Flüssen sei in der Geschichte ein ständiger Austausch erfolgt. So seien die Habsburger ursprünglich Elsässer gewesen und vom Rhein über die Schweiz nach Wien gekommen, von wo aus sie die übernationale Donau-Monarchie errichtet hätten. Die heutigen Europa-Hauptstädte Straßburg, Luxemburg und Brüssel lägen zwar im rheinischen Einzugsbereich, die ersten Impulse zur europäischen Einigung seien aber von Wien ausgegangen, wo Coudenhove-Kalergi 1922 seinen ersten Europa-Aufruf gestartet und vor genau 100 Jahren den ersten Europa-Kongreß der Geschichte abgehalten habe.

Posselt kritisierte die Berliner Tendenz, mit so genannten Koalitionen der Willigen zu arbeiten und immer weniger mit den demokratisch legitimierten Institutionen der EU.  So habe man jetzt in London über die Zukunft der Ukraine verhandelt und dabei die dafür wichtigsten EU-Mitgliedstaaten wie Polen und Rumänien einfach ausgeklammert. Die eigentlich zuständige EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas aus Estland sei eine erstklassige Rußlandkennerin, werde aber gerade deshalb von den Nationalstaaten systematisch an den Rand gedrängt und unterminiert.

Oberbürgermeister Michael Kern kam in seinem Grußwort ausgehend von Ingolstädter historischen Fixpunkten wie der Universität, aus der die Münchner LMU entstanden sei, dem Reinheitsgebot für Bier, das 1516 in Ingolstadt verkündet wurde und immer noch in Kraft sei, und der „Schanze“, der Landesfestung, in die sich die bayerischen Herrscher mit Kronschatz und Familie im Ernstfall hätte zurückziehen können, zur Donau, die das europäische Wesen der Stadt präge und die Menschen und Völker verbinde.

Der bayerische SPD-Landesvorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, betonte, daß die Paneuropa-Bewegung seit ihrer Gründung 1922 klar gesehen habe: „Europa ist die Antwort!“ Der breiten Öffentlichkeit hingegen sei bis heute viel zu wenig bewußt, welches Potential die EU eigentlich habe: „450 Millionen Bürgerinnen und Bürger, eine der größten Volkswirtschaften der Welt und die stärkste Rechtsgemeinschaft, die es je gegeben hat.“

Der internationale Präsident der Paneuropa-Union Prof. Pavo Barišić zitierte den britischen Historiker Arnold Toynbee mit dem „berühmten Schluß, daß jede Zivilisation nur in dem Maße fortschreitet oder überlebt, in dem sie erfolgreich auf die Herausforderungen reagiert, die ihr durch Natur, Nachbarzivilisationen oder tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen gestellt werden.“ In unserer Zeit gehe es schlichtweg um das Überleben Europas, wie in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Als die Paneuropa-Bewegung entstanden sei, habe die europäische Einheit nur als politische Vision existiert. Heute habe die EU die Chance, „einen Platz unter den zentralen Mächten der entstehenden multipolaren Ordnung einnehmen.“ Dazu sei es allerdings unerläßlich, die europäische Außen- und Sicherheitspolitik weiterzuentwickeln und zu stärken. Die Paneuropa-Union unterstütze daher die Bestrebungen der Europäischen Kommission, Europa in die Lage zu versetzten, die volle Verantwortung für seine Verteidigung zu übernehmen.

Der Präsident der Paneuropa-Union Ukraine, der international anerkannte Historiker Prof. Ihor Zhaloba, berichtete vom Leiden und Sterben der ukrainischen Zivilbevölkerung wie auch der Frontsoldaten, zu denen er sich selbst freiwillig für drei Jahre gemeldet hatte, und rief dringend zur massiven Unterstützung durch Europa gerade in den nächsten Monaten auf.

Der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Bayern und Vizepräsident der internationalen Paneuropa-Union, Dirk H. Voß, konstatierte, die Europäische Union befinde sich in stürmischen Gewässern. Im Osten vom Kriegsverbrecher Putin bedroht, habe sie im Westen mit Vereinigten Staaten zu tun, „die die regelbasierte internationale Ordnung hemmungslos zertrümmern, weil eine gefährliche Polit-Sekte unter Führung des Möchtegern-Diktators Trump die altehrwürdige Republikanische Partei und die USA insgesamt in Geiselhaft genommen haben.“ Zugleich habe die Volksrepublik China längst begonnen, sich die Welt durch wirtschaftliche Abhängigkeit untertan zu machen. Die Antwort darauf könne nur in einer konsequenten Überwindung der Nationalstaaten in Europa liegen und in der Vollendung der EU zu einer starken, souveränen und unabhängigen Weltmacht für die Moderne. 

Bei Airbus in Manching hieß der Vertriebsleiter des Konzerns für Kampfflugzeuge, Matthias Nitsche, die Paneuropäer willkommen. Er bemühte sich, deren Bedenken wegen des von Bundeskanzler Friedrich Merz verkündeten Endes des FCAS-Projektes zu zerstreuen. Dabei gehe es nicht nur um ein Kampfflugzeug, sondern um einen Verbund von bemannten und nicht bemannten Flugsystemen, von denen zahlreiche Elemente auch künftig Weiterentwicklungschancen böten: „Unser Konzern ist genetisch europäisch und deutsch-französisch, was er auch weiterhin bleiben wird. Niemand muß befürchten, daß wir nicht partnerfähig wären.“

An der von Bernd Wolsky moderierten Podiumsdiskussion nahmen als Redner teil: Thomas Erndl, Sprecher der CDU/CSU im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, Brigadier a. D. Gerald Karner vom Generalstab des Österreichischen Bundesheeres, der polnische Botschafter in Berlin, Jan Tombiński, Brigadegeneral Christian Friedl, Kommandeur der Pionierschule des Heeres in Ingolstadt, sowie Carlos Uriarte Sánchez, Professor an der Universität Rey Juan Carlos in Madrid und Präsident der Paneuropa-Union Spanien.

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